Schriftgrößen: klein | mittel | groß    Kontrast: normal | hoch

Startet die Suche
Polizeidirektion Ulm
Wir über uns
Berufsinfo
Jugend
Prävention
Fahndung
Internetwache
Presse
Impressum
Polizei BW
  
Polizeidirektion Ulm > Presse > Seiten > 20090303.aspx  

Presse vom 03.02.09 
20090203 

Pressebericht vom 03.02.2009 / Brücken für die gemeinsame Zukunft

PDF-Version

Über 350 Muslime, Polizeibeamte und Vertreter des Landessportverbandes im Dialog

- Auch Freudenstädter Polizeibeamte waren dabei -

FREUDENSTADT/BÖBLINGEN.  „Brücken für eine gemeinsame Zukunft“ - unter diesem Motto trafen sich Landespolizeipräsident Erwin Hetger und der Präsident des Landessportverbands Baden-Württemberg, Dieter Schmidt-Volkmar, mit jungen Muslimen und Polizeibeamten aus allen Teilen des Landes Ende Januar zu einer ganztägigen Veranstaltung bei der Bereitschaftspolizei in Böblingen.

„Wir müssen jetzt in eine neue Phase der Kooperation mit Muslimen eintreten.

Wir wollen aktuelle Herausforderungen und Problemstellungen vor Ort aufgreifen und in eine flächendeckende projektbezogene Zusammenarbeit eintreten“, sagte Landespolizeipräsident Hetger.

Vor drei Jahren habe die Polizei die Initiative ergriffen und einen zielgerichteten,

intensiven Dialog mit Moscheevereinen und muslimischen Kultur- und Sportvereinen begonnen. Dieser Weg sei nicht einfach gewesen und habe von der Polizei Engagement, Sensibilität und langen Atem erfordert. Inzwischen seien über 200 polizeiliche Ansprechpartner für Moscheevereine an der Akademie der Polizei zu interkulturellen Themenfeldern fortgebildet worden. Diese hätten bis heute zu rund 320 Moschee- und muslimischen Kultur- und Sportvereinen im Land Kontakt aufgenommen.

Es seien über 100 gemeinsame Veranstaltungen und Projekte begonnen worden oder hätten bereits stattgefunden. „Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen, es gibt keine Alternative. Nur so ist es uns gelungen, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen“, so Hetger. Durch den Dialog sei eine gemeinsame Basis des Vertrauens und ein tragfähiges Fundament für die weitere Zusammenarbeit geschaffen worden. Es gebe jetzt feste Ansprechpartner und Verantwortliche auf beiden Seiten, diese Strukturen müssten nun in der täglichen Praxis mit Leben erfüllt werden.

Der Landespolizeipräsident wies in diesem Zusammenhang auf die beispielgebende

Initiative der DITIB hin, die in Baden-Württemberg seit Herbst 2007 junge Muslime in ihrer Freizeit zu Dialog- und Integrationsbeauftragten sowie Moscheeführern ausgebildet habe, um die Öffnung der Moscheen nach außen zu forcieren. Diese und weitere junge Muslime würden künftig Ansprechpartner für Behörden und Kooperationen vor Ort sein. Das begrüßenswerte Engagement gelte es zu fördern, wozu auch mit der heutigen Veranstaltung beigetragen werden solle. Es gebe eine

Vielzahl von Themen, beispielsweise den Alkohol- und Drogenmissbrauch, die Jugendgewalt, die Gefahren im Internet oder auch im Straßenverkehr, die nun konkret in gemeinsamen Präventionsveranstaltungen oder in Projekten aufgegriffen werden könnten.

„Mit dieser Veranstaltung möchten wir über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit

sowohl mit den von der Polizei entwickelten Initiativen, als auch mit Migranten in Baden-Württemberg informieren. Die Angebote der Sportvereine erfüllen dabei eine für unsere Gesellschaft wichtige integrative Funktion“, so Dieter Schmidt-Volkmar. Menschen mit Migrationshintergrund seien im Sport nach wie vor unterrepräsentiert. Die so genannten Dialogbeauftragten sollen den Betroffenen als Vertrauenspersonen

den Zugang zum Sport erleichtern. Sie spielten eine wichtige Rolle, da sie zunächst Hemmschwellen abbauen und Informationen zum deutschen Sportsystem geben müssten, um die Vielfalt der Möglichkeiten zu verdeutlichen. Dabei sei es wichtig, dass die Muslime gewisse Traditionen und Normen nicht aufgeben müssen, um aktiv Sport treiben zu können.

Außerdem leisteten die Dialogbeauftragten einen Beitrag zur Gesundheitsaufklärung.

Auf der anderen Seite sollen sie auch die Sportvereine dazu bewegen, sich dieser Zielgruppe weiter zu öffnen und Möglichkeiten aufzeigen, wie neue Angebote aussehen könnten.

„In Baden-Württemberg sind gut ein Viertel der Einwohner Migranten, davon derzeit circa 600.000 Muslime“, betonte Hetger. In Großstädten wie Stuttgart könne nach Schätzung von Experten davon ausgegangen werden, dass der Anteil der unter 20-Jährigen mit nichtdeutscher Herkunft in zehn Jahren voraussichtlich mehr als 50 Prozent betragen werde, ein Großteil von ihnen seien Muslime. Deshalb sei diese Zielgruppe mit Blick in die Zukunft von besonderer Bedeutung für eine erfolgreiche Integration.

Viele junge Muslime würden ihren Platz in der Gesellschaft suchen und nach Akzeptanz und Anerkennung streben, ohne ihre eigene Identität verlieren zu wollen. An dieser Stelle könne die praktische Integrationsarbeit mit guten Erfolgsaussichten ansetzen.

„Für junge Migranten muss es etwas völlig Normales werden, bei einem entsprechenden Anlass den Kontakt zur Polizei zu suchen, sich in Präventionsprojekte einzu- bringen oder auch ihre berufliche Zukunft in der Polizei zu sehen“, sagte der Landespolizeipräsident. „Je mehr Migranten bei uns Polizeibeamte werden, desto weiter sind wir mit der Integration vorangekommen.“

Auch das Programm „Integration durch Sport“ des Landessportverbandes Baden- Württemberg leiste mit der Böblinger Veranstaltung einen weiteren Beitrag zur Integration. Dabei fügte der Präsident des LSV aber hinzu: „Integrationsmaßnahmen haben nur dann Erfolg, wenn beide Seiten aufeinander zugehen und sie nicht als Einbahnstraße verstanden werden.“

 In den Workshops am Nachmittag wurden den Teilnehmern von Projekt erfahrenen

Polizeibeamten und Vertretern des Landessportverbandes methodische

Hinweise und Anregungen gegeben, um sie zu ermutigen, Präventionsprojekte

und -veranstaltungen zu initiieren, zu planen und durchzuführen beziehungsweise am Vereinsleben aktiv teilzunehmen. In einem sich anschließenden „Kontakt-Café“ konnten zwischen Polizei und jungen Muslimen persönliche Kontakte besonders auf regionaler Ebene geknüpft werden. Polizeioberrat Martin Zerrinius stellte in einem Workshop die Aktion „Schutzengel-Freudenstadt.de“ vor. Zahlreiche junge Frauen im Landkreis Freudenstadt mit Migrationshintergrund engagieren sich bei dieser Aktion. Ebenfalls wirken die Verkehrserziehungsbeamten Michael Scheuermann und Wolfgang Franz (auf dem Bild von links nach rechts: Wolfgang Franz, Michael Scheuermann und Martin Zerrinius) mit, die im täglichen Dienst bei der Verkehrserziehungsarbeit auch mit Migranten arbeiten.